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Schweizer "Tagesanzeiger" zur Causa Wulff: "Hysterische Hetzjagd"

Die anfangs noch halbwegs sachorientierte Dauerdebatte um Bundespräsident Wulff degeneriert immer stärker zu einer unfairen Medien-Treibjagd, was vor allem durch die macht-taktischen Spielchen der BILDzeitung angefeuert wurde; aber viele weitere Presseorgane beteiligen sich mittlerweile an diesem Kesseltreiben, das längst hysterische Ausmaße angenommen hat.
Diese Meinung vertritt auch David Nauer im Schweizer „Tagesanzeiger“ unter dem Titel „Heuchlerische und hysterische Hetzjagd“. Vielleicht sieht man diese deutschen Vorgänge vom Ausland aus nüchterner und distanzierter.
Am 6. Januar 2012 schrieb er unseren hiesigen Medien – bei aller auch von ihm geäußerten Kritik am Bundespräsidenten  –  ein paar deutliche Sätze ins Stammbuch, zum Beispiel diese:
Dennoch ist die mediale Aufregung um Wulff übertrieben. Der letzte Provinzredaktor hat inzwischen schon den Rücktritt des Staatsoberhaupts gefordert. Zwar können ihm keine handfesten Verfehlungen nachgewiesen werden, nichts ist strafrechtlich relevant, ja nicht einmal politisch ein Killer-Argument.
Niemand glaubt im Ernst, Wulff sei korrupt oder er gefährde irgendwie die Pressefreiheit. Doch aus der Summe der Vorwürfe lässt sich bestens irgendeine ungefähre Empörung kleistern. Er sei «moralisch» nicht in der Lage, ein so wichtiges Staatsamt auszuüben, heisst es dann; er habe ein «fragwürdiges» Verständnis von Pressefreiheit, er sei in seinem Amt «überfordert».
Die deutschen Medien, und diesmal scheinen es wirklich alle Medien zu sein, haben sich auch auf Wulff eingeschossen. Ganz nach dem Motto: Der Präsident muss weg, egal wie.“
Sodann bezeichnet der Leitartikler das „Spektakel“ als „selbstgerecht und heuchlerisch“; er hält der Jagdgesellschaft im Blätterwald einen klarsichtigen Spiegel vor die Nase:
„Gerade Journalisten in Deutschland geniessen haufenweise Privilegien: Sie fahren günstiger mit der Bahn, sie fliegen günstiger, sie kommen gratis ins Museum, sie werden von Parteien gefüttert und herumkutschiert. Keiner schert sich darum. Alle tun es. 
Von Wulff dagegen wird eine übermenschliche Sauberkeit verlangt, bei ihm wird wie besessen auch noch nach dem letzten Staubkorn auf der Weste gesucht. 
Ganz so, als gäbe es keine anderen Themen, keine Eurokrise, keine Energiewende, nix. Langsam nervt die ganze Sache. Lasst also, bitte, endlich den Wulff in Ruhe!“
Quelle und vollständiger Artikel hier:
http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/Heuchlerische-und-hysterische-Hetzjagd/story/31272380

Kommentare

Eine Antwort

  1. Endlich ein vernünftiger Kommentar.
    Dazu passt folgender Kommentar von Leuten die mit der Kirche überhaupt nix am Hut haben, aber trotzdem die Sache begriffen haben:
    „Der gefährliche Wandel von der Rechtsgemeinschaft zur ‚Wertegemeinschaft‘ ist ein Traum der Intellektuellen, weil sie hier das Interpretationsmonopol bezüglich Begriffen für sich beanspruchen können. Im Namen der Rechtsgemeinschaft kann man keine Priesterherrschaft errichten, im Namen einer ‚Wertegemeinschaft‘ sehr wohl.“
    Das heißt auf deutsch, wer gut und böse ist, das bestimmen die Medien und da gilt „Quod licet Jovi, non licet bovi“ und auch das was gestern gefeiert wird, wird morgen an den Pranger gestellt und rumgedreht.

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