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Wie steht der Christ zur staatlichen Ordnung?

Von Hartmut Steeb

Das Verhältniss des Einzelnen zum Staat, zur Obrigkeit, zu den Herrschenden in dieser Welt ist ein Dauerthema, das sich durch die ganze Menschheitsgeschichte hindurch zieht. Man wird auch nie damit fertig. Denn weder Staat noch wir als Einzelpersönlichkeiten sind statische Größen, deren Verhältnisse man dann ein- für allemal festlegen könnte. Ja, Veränderungen sind das einzig Bleibende.

Das Thema ist anspruchsvoll und komplex. Ganz einfache Antworten, die wir gerne hätten, gibt es nicht. Da muss man schon genauer hinschauen. Weder mit dem Satz „Seid untertan der Obrigkeit“ noch mit dem Satz „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ ist schon alles gesagt. Da brauchen wir mehr Orientierung zwischen diesen beiden Polen.

Schwierige Aufgaben geht man am besten langsam und Schritt für Schritt an, wie eine hohe Bergbesteigung. Man sollte nicht zu schnell meinen, man hätte sie schon geschafft. Deshalb mache ich mich auch in dieser Weise ran an dieses hohen Berg des Denkens, der hier zu besteigen ist.

Liebt den Nächsten, fürchtet Gott, ehrt den König!

„Untertan aller menschlichen Ordnung um des HERRN willen“, so heißt es im 2. Kapitel des 1. Petrusbriefs. Ich lese bewusst schon ab Vers 9:

„Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk zum Eigentum, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat aus der Finsternis in sein wunderbares Licht; die ihr einst nicht sein Volk wart, nun aber Gottes Volk seid, und einst nicht in Gnaden wart, nun aber in Gnaden seid.

Ihr Lieben, ich ermahne euch als Fremdlinge und Pilger: Enthaltet euch von fleischlichen Begierden, die gegen die Seele streiten, und führt ein rechtschaffenes Leben unter den Völkern, damit die, die euch als Übeltäter verleumden, eure guten Werke sehen und Gott preisen am Tag der Heimsuchung.

Seid untertan aller menschlichen Ordnung um des Herrn willen, es sei dem König als dem Obersten oder den Statthaltern als denen, die von ihm gesandt sind zur Bestrafung der Übeltäter und zum Lob derer, die Gutes tun.

Denn das ist der Wille Gottes, dass ihr durch Tun des Guten den unwissenden und törichten Menschen das Maul stopft – als Freie und nicht als hättet ihr die Freiheit zum Deckmantel der Bosheit, sondern als Knechte Gottes. Ehrt jedermann, habt die Brüder und Schwestern lieb, fürchtet Gott, ehrt den König!

Ihr Sklaven, ordnet euch in aller Furcht den HERRN unter, nicht allein den gütigen und freundlichen, sondern auch den wunderlichen. Denn das ist Gnade, wenn jemand um des Gewissens willen vor Gott Übel erträgt und Unrecht leidet. 

Denn was ist das für ein Ruhm, wenn ihr für Missetaten Schläge erduldet? Aber wenn ihr leidet und duldet, weil ihr das Gute tut, ist dies Gnade bei Gott. Denn dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen; ER, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand; der, als ER geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als ER litt, es aber dem anheimstellte, der gerecht richtet…“

Ich versuche getreu meinem Thema drei Schneisen zu schlagen, oder  –  um im Bild der Bergwanderung zu bleiben  –  drei Etappen aufzuzeigen. Dabei lege ich ein paar Puzzlestücke vor, zeige auf einige Stellen ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

  1. Um des HERRN willen

Wenn wir Christen uns bemühen, irgendeine relevante Frage unseres Glaubens und unseres Lebens zu lösen, dann ist die alles entscheidende Frage: Was will unser HERR? Nicht: Was sagen die Leute? Nicht: Was passt in unsere Zeit? Nicht: Wie kommen wir am Besten an? Nicht: Wie gewinnen wir die Meisten? Die alles entscheidende Frage ist und bleibt: Was will der HERR?

Erinnern Sie sich? Vor ein paar Jahren gab es eine interessante Bewegung:

Nicht wenige junge Leute trugen ein Armband „WwJd“ – „What would Jesus do?“ – Was würde Jesus tun? Was würde ER tun? In vielen Fragen die uns heute bewegen, kann man da gewiss nur spekulieren, vom Autofahren über die Heizung und das politische Wahlverhalten – ich finde es immer wieder interessant, aber auch beängstigend, wenn Leute ganz genau zu wissen vorgeben, was Jesus tun würde und wie er sich zu aktuellen politischen Fragen stellen würde.

Aber in den meisten grundlegenden und den wirklich entscheidenden Fragen brauchen wir nicht spekulieren, da dürfen wir seinen Willen erkunden und seinem Willen nachdenken, ihm also auch im buchstäblichen Sinn nachfolgen. Und dabei ist nicht nur die Frage unnötig „Sollte Gott gesagt haben?“, die wir aus der Sündenfallgeschichte in 1. Mose 3 kennen, sondern auch die heute überaus moderne kritische Christenfrage: „Sollte ER das wirklich so gemeint haben?“

Sind wir uns darin einig, dass der Wille von Jesus Christus das entscheidende Kriterium für alle Entscheidungen ist?

Dann stellt sich natürlich die Frage, wie man Jesu Willen und seine Führungen im Leben erkennt. Das ist ein eigenständiges Thema, nicht weniger komplex. Das behandeln wir hier nicht ausführlich. Aber eine Grundlage wäre, alle Basics, wie man neudeutsch sagt, also die Grundtatsachen des Willens Gottes zu beachten.

Der Vermehrungsauftrag gehört zur Schöpfungsordnung

Ich nenne nur ein paar derer, die ganz dicht in unser Thema heranreichen bzw. eingreifen:

a. Gott hat diese Welt und die Menschen geschaffen. Das war sein Wille. Er hat also ein klares Ja zur Schöpfung (1. Mose 1), mit wiederholenden Versen: Gott sprach und es geschah so. Und Gott sah, dass es gut war.

b. Gott hat den Tieren und den Menschen einen Vermehrungsauftrag gegeben (1. Mose 1,22): Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und mehret euch und erfüllet das Wasser im Meer, und die Vögel sollen sich mehren auf Erden. – Und in Vers 28: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde – übrigens ohne Begrenzungen.

Das betone ich bewusst, weil heutzutage das Märchen der Überbevölkerung grassiert und die Frage, ob es verantwortlich sei, viele Kinder zu haben. Der biblische Auftrag kennt diese menschlichen Sorgen nicht. Der Vermehrungsauftrag ist Fortführung des Schöpfungshandelns Gottes. Was er geschaffen hat, den Menschen, dürfen wir fortwährend weiter schaffen, zeugen und gebären.

c. Gott will, dass wir die Erde, die Schöpfung beherrschen, bebauen und bewahren (1. Mose 1, 28):  Füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht; (1. Mose 2,15): Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte..

d. Gott will alle Menschen als ebenbildliches Gegenüber, als Partner haben (1. Mose 1, 27 27 Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf ER ihn; und schuf sie als Mann und Frau).
e. Gott will, dass alle Menschen durch Christus gerettet werden (1. Timotheus 2,4  welcher will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen.
f. Der HERR will, dass seine Kinder, seine Jünger, „Licht und Salz“ in dieser Welt sind (Matthäus 5,13-16).
g. Gott will, dass wir in dieser Welt der „Stadt Bestes suchen“ (Jeremia 29, 5-7).
h. Der HERR will unsere Heiligung (1. Thessalonicher 4,3), dass wir also von ihm in Beschlag genommen sind. Dass wir in der Wahrheit „geheiligt sind und bleiben“ (Johannes 17,17), ja, sogar mit dem Vater und dem Sohn „eins“ sind (Johannes 17, 21-23) – in dieser Welt und in der ewigen Herrlichkeit.

Darum ist es nur folgerichtig, wenn Paulus im Kolosserbrief (3,17 f) schreibt: „Und alleswas ihr wirkt mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des HERRN Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.“  – Und Vers 23: „Alleswas ihr tut, das tut von Herzen für dem HERRN und nicht wegen der Menschen.“

Das gilt also auch für das „untertan“ unter alle menschliche Ordnung.

  1. Aller menschlichen Ordnung

Gott hat aus dem Tohuwabohu, dem Chaos, eine herrliche Schöpfung gemacht. Diese soll von den Menschen gestaltet, erhalten und bewahrt werden. Auch dazu hat Gott uns Menschen erschaffen.

„Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sei, die da herrschen über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das auf Erden kriecht. Und Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.

Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und über die Vögel unter dem Himmel und über alles Getier, das auf Erden kriecht“ (1 Mose 1,26.27).„Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte“ (1 Mose 2,15).

Dies ist die Beauftragung und die Bevollmächtigung der Menschen durch Gott, seine Schöpfung zu gestalten und zu erhalten.

Unser Thema ist hier weder der Naturschutz noch der Umweltschutz noch Fragen des Klimaschutzes. Ich erlaube mir aber darauf hinzuweisen, dass „bebauen und bewahren“ eben gerade nicht bedeutet, alles vor sich hin wachsen und wuchern zu lassen, möglichst keine Eingriffe in das natürliche Wachstums vorzunehmen.

Unser Auftrag ist es nicht, auf Eingriffe zu verzichten, sondern zu bebauen, zu bewirtschaften, aber so, dass die Schöpfung bewahrt bleibt, dass sie freilich aber auch Nutzen bringt.

Die unberührte Natur wird nicht verklärt. Die Schöpfung dient dem Menschen. Darum wäre es geradezu verrückt, was ja einige propagieren, um des Klimas Willen auf Kinder zu verzichten, weil das einen erhöhten sogenannen CO2-Abdruck brächte. Man kann sarkastisch sagen: Ja, wenn wir das ganz konsequent durchziehen, haben wir in 120 Jahren das beste Klima. Aber für wen?

Der MENSCH als Krone der Schöpfung

Die Erde zu bebauen und zu bewahren bezieht sich freilich nicht nur auf die Ökologie, auf die Garten-, Land-, Forst- und Meereswirtschaft, sondern auch auf die Gestaltung der sozialen Beziehungen, der menschlichen Gemeinschaft.

Innerhalb der Schöpfung hat Gott klare Machtverhältnisse geschaffen. Der Mensch ist die Krone der Schöpfung. „Du hast ihn nur wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Ruhm hast du ihn bekleidet! Du hast ihn zum Herrn gemacht über deiner Hände Werk, alles hast du unter seine Füße getan.“ (Psalm 8).

Der Mensch ist Gottes Prokurist in dieser Schöpfungsordnung.

Und innerhalb der Menschheit hat Gott Machtverhältnisse gegeben. Seit dem Sündenfall, der Rebellion gegen die alleinige Herrschaft Gottes und der individuellen persönlichen Gottesgemeinschaft jedes Menschen, gibt es Herrschaftsverhältnisse auch innerhalb der Menschheit; damals explizit ausgesprochen auch die Herrschaft des Mannes über die Frau (1 Mose 3, 16).

Gott will keine Anarchie, sondern schafft Hierarchien. Da nicht jeder direkt unmittelbar ständig alleine auf Gott hört, muss es in dieser Welt der Tische und Bänke eine Machtordnung geben: in der Ehe, in der Familie, im Betrieb, in der Gesellschaft, in allen Organisationen.

Wir klammern jetzt aber hier und heute die Fragen der Unterordnung in den Ehen, Familien, Generationen und Organisationen im Geschäftsleben aus, weil es Paulus hier und uns im Kontext unserer Tagung in erster Linie um die gesellschaftliche Ordnung und um die staatliche Gewalt geht. Ordnungen sind in Gottes Absichten. Ordnung statt Chaos. Sie sollend en Auswüchsen menschlicher Bosheit wehren.

GOTT sitzt im Regiment

Darum betont Paulus, etwa in Römer 13, dass jede Obrigkeit von Gott gesetzt, zugelassen, beauftragt, bevollmächtigt. Das gilt immer!

Zum einen ist selbst jedes Unrechtsregime nach Gottes Auffassung und nach menschlicher Erfahrung besser als keines, besser als die Anarchie: der Kampf jeder gegen jeden, das Faustrecht, das Fressen und Gefressen werden durch den Stärkeren, die Willkür.

In der Anarchie breitet sich die Sünde, die Gottesferne, noch schrankenloser aus als in der schlimmsten Diktatur. Wir haben das in den zurückliegenden Jahren des sogenannten „Arabischen Frühling“ gesehen, der eher zum „Arabischen Winter“ wurde. Ältere unter uns erinnern sich noch an den Vietnamkrieg und in neuester Zeit Afghanistan. Gestürzte Tyrannen schaffen noch keine neue bessere Ordnungen.

Staatliche Ordnungen sind freilich entscheidend dafür da, das Unrecht zu begrenzen.

Zum anderen gilt: Gott sitzt im Regiment. Es kann nur geschehen, was Gott tut und zulässt. Das gilt selbst für das größte Unglück. Wer Macht hat, wer Autorität hat, hat die immer nur insoweit, wie es Gott anordnet oder zulässt!

Darum befiehlt Paulus hier und vielleicht noch stärker in Römer 13,1 ff:
„Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit außer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, ist sie von Gott angeordnet. Darum: Wer sich der Obrigkeit widersetzt, der widerstrebt Gottes Anordnung. … Denn sie ist Gottes Dienerin, dir zugut. …Sie ist Gottes Dienerin und vollzieht die Strafe an dem, der Böses tut. Darum ist es notwendig, sich unterzuordnen, nicht allein um der Strafe, sondern auch um des Gewissens willen.“

Übrigens nicht nur hier, sondern auch in Titus 3,1: „Erinnere sie daran, dass sie sich den Obrigkeiten, die die Macht haben, unterordnen, dass sie gehorsam seien und zu allem guten Werk bereit“.

  1. „Untertan“: untergeordnet

Übersetzung „untergeordnet“, nicht „untertan“, weil im griechischen Verb anklingt: sich unter eine Ordnung stellen. Es geht nicht um willenloses Untertansein, nicht um blinden Gehorsam, sondern um ein bewusstes sich einfügen in eine Ordnung. Wir sollen uns gerade auch hier nicht als Marionetten verhalten, sondern bewusst Ja sagen zur staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung.

Darum: Wir halten uns bedingungslos an die Gesetze und Anordnung des Staates und seiner Gewalten. Wir halten uns an die Ordnungen, an die menschlichen Spielregeln, an die Gesetze, also z.B. im Straßenverkehr, bei der Steuer, bei behördliche Anordnungen.

Wir sind loyal zum Staat. Wir halten uns auch an das sogenannte Sittengesetz, beachten Anstandsregeln, geben Ehre, dem Ehre gebührt, dem Amtsträger. Früher sagte man dem „Würdenträger“. Man sprach sogar von „Hochwürden!“.

Aber gerade im Blick auf das, was ich grundsätzlich zur Aufgabe des Menschen sagte, ist klar: Diese Würde gilt allen.

Das haben unsere Verfassungsväter und -mütter gerade nach der Katastrophe des Dritten Reiches bewusst so einzigartig am Beginn des Grundgesetzes festgehalten, eine geradezu klassische Formulierung, an der man sich erfreuen kann, Ergebnisse der biblischen Sicht auf die Menschen: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Und es ist damit unmissverständlich. Sie gilt allen, gleichermaßen. Alle Menschen sind Würdeträger, keiner ist  ausgenommen.

Gesetze, Ordnungen, Sitten einzuhalten ist natürlich leicht, wenn sie uns gefallen. Dafür bräuchte es keine solche Anordnung. Wenn die Gesetze auch unserer Einsicht und unserer Überzeugung entspringen, dann werden wir sie ja auch schon aus innerer Zustimmung heraus befolgen.

Aber das gilt eben nach Paulus gerade auch dann – ja man muss wohl sagen: Das gilt „erst recht dann“ – wenn sie aus unserer Sicht nicht hilfreich sind, sondern behindernd wirken, gewaltig stören, nicht plausibel, vielleicht sogar grotesk, irre, verrückt sind. Wenn wir jetzt Beispiele sammeln würden, wären wir ausreichend beschäftigt. Ich nenne nur exemplarisch ein paar Bereiche, dann kann man der Phantasie freien Lauf geben – A,B,C und dreimal S: Ausländerrecht, Bauordnungen, Corona-Verordnungen, Sozialgesetze, Steuern, Straßenverkehr.

„Keine Regel ohne Ausnahme“ sagt die Volksweisheit. Und das kann man auch studieren, wenn man Gesetze liest. Nicht selten sind dort die Ausnahmebestimmungen umfangreicher als die eigentlichen Regeln.

Bei Bibelworten den Zusammenhang beachten

Auch das Untertan aller menschlichen Ordnung aus 1. Petrus 2 und der geforderte bedingungslose Gehorsam nach Römer 13 kennen Ausnahmeregelungen. Ausnahmen sind keine Widersprüche, die von manchen allzugerne vermeintlich entdeckt werden.

Nein: für eine kompetente Bibelauslegung und für die christliche Lehre ist natürlich von großer Wichtigkeit, auch das einzelne Bibelwort in den Kontext der ganzen Schrift zu stellen. Einzelne Bibelworte alleine und sie einfach nur immer wieder zu zitieren, kann schnell in die Irre führen.

Viel zu schnell und zu oft höre ich bei Kritik an staatlichen Anordnungen, die geübt wird und die ich mir auch immer wieder erlaube, aber man müsse doch der Obrigkeit untertan sein. Und dann wird ebenso schnell und oft undifferenziert das andere Bibelwort entgegen geschleudert, das uns in Apostelgeschichte 5,29 aus der Gerichtsverhandlung gegen Petrus und Johannes heraus gesagt ist: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“.

Da merkt man, wie man schnell man Bibelworte gegen Bibelworte in Stellung bringen kann. Das ist uns übrigens auch schon aus der sogenannten Versuchungsgeschichte Jesu übermittelt. Dort benutzt sogar der Teufel Bibelworte, um Jesus zu versuchen und auf Abwege zu bringen.

Das Wort der Apostel wurde der geistlichen Volksleitung gesagt, dem Hohen Rat. Schon denen, die damals die geistliche Vollmacht der Lehrautorität nutzen wollten, wurde das gültige Argument genannt, dem keiner widersprechen konnte, weil klar war und ist und sein muss: Auch Kirchenleitungen stehen nicht über Gott, sondern unter Gott.

Auch sie haben zwar Macht, stehen in der menschlichen Hierarchie oben. Insofern ist auch ihren Anordnungen im Grunde Gehorsam zu leisten. Aber sie stehen niemals über Gott.

Die rote Linie: Gottes Gebote

Wenn irgendwelche Mächte uns gebieten wollen, was Gottes Gebot widerspricht, dann ist die rote Linie überschritten, z.B. Verleumdungen, Lügen, falsche Götter anbeten – wir hängen kaum dem Hinduismus mit seinen zig-Gottheiten an. Wir schaffen uns unsere eigenen Götter: Wohlstand, Gesundheit, Klima – auch Verbot des Gebets, der biblischen Lehre, der Mission – und ich nenne gerade im Blick auf die jüngere Geschichte: Verbot der Gemeinschaft, Verbot von Gottesdiensten und Zusammenkünften in Hauskreisen, Hauskirchen und sogar Familien, Verbote zu Besuchen von Hilfsbedürftigen, Kranken, Pflegebedürftigen und Sterbenden.

„Untertan“ im Sinne dieser Bibelworte heißt nicht: Sich einfach allem fügen, was gesagt und angeordnet wird. Wenn unsere Bundeskanzler davon sprach, dass es keine „roten Linien“ gäbe, dann ist Widerspruch und gegebenenfalls auch Widerhandeln angesagt.

„Untertan“ heißt auch nicht: Willenlos auf Rechte zu verzichten, die das Gesetz einem zuteilt. Jesus wurde während der Verhandlung vor dem Hohen Rat geschlagen und sagte dann: „Habe ich übel geredet, so beweise es; habe ich aber recht geredet, warum schlägst du mich?“ (Johannes 18,23).

Paulus und Silas haben bei ihrer Freilassung aus dem Gefängnis in Philippi darauf bestanden, dass man nicht nur heimlich die Anklage gegen sie fallen lässt, sondern dass sie öffentlich rehabilitiert werden: „Sie haben uns ohne Recht und Urteil öffentlich geschlagen, die wir doch römische Bürger sind, und in das Gefängnis geworfen, und sollten uns nun heimlich fortschicken? Nein! Sie sollen selbst kommen und uns hinausführen!“ (Apostelgeschichte 16,37).

Paulus hat sich vor der Folterung in Jerusalem durch seine Berufung auf das römische Bürgerrecht geschützt: „Ist es erlaubt bei euch, einen Menschen, der römischer Bürger ist, ohne Urteil zu geißeln?“ (Apostelgeschichte 22,25). Und bei der Verhandlung vor dem Statthalter Festus in Cäsarea hat Paulus von seinem Recht der Berufung zur höchsten juristischen Instanz, dem Kaiser, Gebrauch gemacht, also den ganzen möglichen Rechtsweg ausgenutzt (Apostelgeschichte 25,10-12).

Der Kaiser war auch der oberste Richter, wie heute bei uns das Bundesverfassungsgericht im Land oder der Europäische Gerichtshof in Straßburg, der Menschenrechtsgerichtshof in Brüssel. Aber Paulus hat auch deutlich gemacht, dass er dann am Ende das Urteil akzeptieren werde. Am Ende gilt immer: Lieber Unrecht leiden als Unrecht tun.

Prophetische Kritik an der Obrigkeit

„Untertan“ heißt auch nicht, auf Kritik zu verzichten, Unrecht und falsche Entscheidungen einfach laufen zu lassen. Alttestamentliche Prophetenworte richteten sich ganz überwiegend gegen die Herrschenden, die Könige. Sie haben im Zweifel auch ihr Leben eingesetzt im Widerspruch zur Staatsherrschaft und sie an Gottes Gebote und Ordnungen erinnert ohne Rücksicht auf ihre eigene Zukunft.

Das Gottesrecht muss verkündigt werden, auch wenn es keiner hören will und dem Mainstream, dem Hauptstrom öffentlicher Meinungen, widerspricht.

„Seid untertan aller menschlichen Ordnung um des HERRN Willen“. Ist damit alles klar?

Ich will in drei weiteren Kreisen daraus Schlussfolgerungen für unser Leben ziehen.

  1. Obwohl Ihr Himmelsbürger seid: Lebt mit beiden Beinen in dieser Welt

Wenn Sie sich noch an den Petrustext vom Anfang erinnern: Er sagt ganz klar: Wir sind hier auf dieser Welt Gäste, Fremdlinge, Pilger. Wir haben hier keine bleibende Stadt. Wir gehören zur Welt Gottes. Wir sind nicht einfach das Volk. Wir sind nun aber Gottes Volk.

Weil wir Gäste auf dieser Welt sind und diese Welt nicht unser bleibendes Zuhause ist (Philipper 3,20: „Unsere Heimat ist im Himmel“ – Züricher Übersetzung oder Luther 2017: „Wir sind Bürger im Himmel“) stellt sich ja die Frage, wie wir in dieser Welt zurechtkommen:

Drei Wege scheiden aus:
–  der Welt einfach ade sagen, sie links liegenlassen, so zu tun, als ob sie uns nichts anginge und fast schizophren zu leben, die Welt Welt sein lassen
–  sich einfach anzupassen an diese Welt und sich ohne Wenn und Aber von ihr einverleiben zu lassen. Vergessen, dass wir Bürger des Himmelreiches sind. Denn, wenn ich sagte „mit beiden Beinen in der Welt stehen“, dann könnte das heute missverstanden werden, als ein Dahinleben, wie es leider viele tun. Sie leben in der Masse mit, lassen sich mitreißen von den Modetrends der Zeit oder haben oft nur die Sorge, sie könnten zu kurz oder zu spät kommen und ihr Lebensglück verlieren.
–  der Weg der Gewalt – also die Sünde mit Gewalt auszurotten, sich den Zugang ins Paradies zwangsweise verschaffen zu wollen. Die neue Welt selbst zu erarbeiten, weil sie ja noch nicht so ist, wie sie sein soll. Wir können nicht aus eigener Vernunft noch Kraft das Rad der Geschichte zurückdrehen, den Sündenfall ungeschehen machen, auf dieser Welt das Paradies schaffen. Wir müssen die Gesellschaft nicht zurechtbiegen, aber wir können uns so einbringen, dass sie zum Besseren hin gestaltet wird.

Unsere Aufgabe ist nicht in erster Linie, die Verhältnisse zu ändern (Verhältnisse verändern nicht Menschen zum Guten, aber Menschen können Verhältnisse zum Guten wenden), vor allem nicht gewaltsam.

Wir dürfen nichte als Wölfe den Wolf besiegen wollen

Sogar die Sklaverei gehört hier zu den bösen Ordnungen der Fremde, die wir nicht gewaltsam ändern dürfen („Wenn du aber frei werden kannst, ergreife es viel lieber!“ – 1. Korinther 7,21).
„Lieber um des Gewissens willen Unrecht ertragen, als selbst Unrecht tun. Wenn wir selbst Unrecht tun, haben wir uns schon der Fremde angepasst und unsere Heimat verraten“. – Der Philosoph Robert Spaemann sagt: Wenn wir die Wölfe als Wolf besiegen, haben sie uns besiegt.

Ein Exkurs:
72 Jahre herrschte in der Sowjetunion und nach dem 2. Weltkrieg in ganz Osteuropa einschließlich der kommunistischen DDR der materialistische Marxismus, eine Ideologie, die sich auch gegen die christliche Botschaft wandte. Das Christentum wurde als billige Vertröstung aufs Jenseits betrachtet. Das Paradies soll hier auf Erden geschaffen werden.

Dabei haben wir doch eigentlich längst erfahren und könnten es wissen: Wer die christliche Hoffnung als Jenseitsvertröstung brandmarkt, der kann auch fürs Diesseits nichts Bleibendes bewirken. Nur wer seine Hoffnung auf die ewige Welt Gottes setzt, ist ein Realist, er hat Kraft, mit beiden Beinen fest in dieser Welt zu stehen und zu wirken.

Darum sehe ich etwas sorgenvoll in die heutige Zeit. Denn auch wenn wir ja auch denken, wir hätten die Zeit des materialistischen Kommunismus hinter uns gelassen – sitzen wir nicht dennoch ganz neu der menschlichen Hybris auf, die meint, mit uns beginne die neue Zeit der Vernunft und eigenständigen Eigenverantwortlichkeit?

Das sind doch die Töne, die auch heute erschallen: Den Gottesbezug in der Verfassung brauchen wir nicht. Die sogenannte „religiöse“ Formel beim Amtseid von Regierungsmitgliedern „So wahr mir Gott helfe!“ braucht es nicht.

Das Berliner Schloss ist wieder hergestellt werden, aber die provozierende Aufschrift auf der Kuppel hat kräftige Diskussionen ausgelöst. Sie wissen, was dort steht, und was jetzt relativiert wurde, nachdem es schon nicht verhindert werden konnte?

Eine Mixtur aus Apostelgeschichte 4,12 und Philipper 2,10: „Es ist in keinem andern Heil, ist auch kein anderer Name den Menschen gegeben, denn in dem Namen Jesu, zur Ehre Gottes des Vaters. Dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind.“

Menschlicher Größenwahn statt Ehrfurcht vor Gott

Wir wollen religiös neutral sein. Eine Tafel sorgt für die Relativierung, auf der steht: „Alle Institutionen im Humboldt Forum distanzieren sich ausdrücklich von dem Allgemeingültigkeits- und Herrschaftsanspruch des Christentums.“ – Das klingt uns doch in den Ohren wie Lukas 19,14: „Wir wollen nicht, dass dieser über uns herrsche“.

In der DDR hieß das damals: „Ohne Gott und Sonnenschein bringen wir die Ernte ein.“ – Beim früheren Präsidenten der USA, Obama, hieß es: „Yes, we can.“ – Angela Merkel sagte 2015: „Wir schaffen das!“ – Bei Olaf Scholz hieß es in der Neujahrsansprache 2022: „Wir brechen auf in eine neue Zeit. Eine Zeit, die gut wird, wenn wir sie aktiv gestalten. Denn es macht einen Unterschied, dass wir unser Schicksal entschlossen selbst in die Hand nehmen!“

Einer meiner Freunde, Pfarrer Martin Michaelis aus Quedlinburg, der aufgrund seines entschlossenen Widerspruchs gegen Corona-Maßnahmen alle seine Ämter als Pfarrervertreter verloren hat und in einem Disziplinarverfahren steht, hat das meines Erachtens am besten auf den Punkt gebracht: „Wenn man Gott vom Thron stößt, ist es naiv zu glauben, dass dann der Thron leer bleibt. Nein, da setzen sich andere drauf, die dann so tun, als wären sie Gott, als hätten sie alles zu bestimmen“.

In diesem Sinne hat der wahrscheinlich den meisten von uns wenigstens namentlich bekannte Journalist und Theologe Peter Hahne bei der Entgegennahme seiner Ehrenpromotion am 1. Oktober 2022 in Basel seinen Festvortrag unter das Thema gestellt „Holt Gott in die Politik zurück“.

Denn ohne Gott haben wir ja nur das Diesseits. Welch eine Verarmung. Es gibt viele Menschen, die unter fürchterlichem Stress stehen. Meist kommt der ja weniger aus der Arbeit als aus der Freizeit – natürlich: Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel.

Ewigkeitsglaube führt zur Gelassenheit

Man will sich ja keiner Chance berauben. Man will alle Möglichkeiten wahrnehmen, die Sonderangebote nutzen, gleichzeitig alles haben – Abenteuerurlaub, aber bitte mit Handy und Laptop. Und alles will man möglichst schnell und gleich und fast gleichzeitig.

Vielleicht haben Sie das auch schon längst gehört, woran es liegt, dass die Leute heute so wenig Zeit haben: Früher hatten die Leute eine Lebenserwartung von 40 Jahren und die Ewigkeit. Und heute haben sie nur noch 100 Jahre. Und in dieses kurze Leben muss alles hineingepresst werden.

 Das Ganze wird noch geschürt durch Weltuntergangsszenarien.

Am 27. Februar 2007 titelte die BILD-Zeitung aus einem anscheinend geheimen Klima-Plan: „Wir haben nur noch 13 Jahre, um die Erde zu retten.“ Sie leben also schon zwei Jahre nach dem Untergang. Die Welt wird nicht an dem Unvermögen der Menschen untergehen, sondern es wird dann das Ende da sein, wenn unser HERR sein großes Amen spricht.

Wir sollten nicht so tun, als ob das ganze Weltgeschick in unserer Hand läge und wir darüber zu bestimmen hätten. Wir wissen nicht, wann und wie das Ende kommt.

Aber Jesus hat deutlich von der Ewigkeit gesprochen. Vielleicht am ausführlichsten in der Geschichte vom reichen Mann und armen Lazarus, in Lukas 18, die man vielleicht besser bezeichnen sollte als Geschichte von dem armen reichen Mann und dem reichen armen Lazarus. In dieser Geschichte hat er uns vom ewigen Leben in Gottes Gegenwart berichtet, auch vom Leben abseits dieser glückseligen Ewigkeit. Er hat diese als Hölle bezeichnet.

Diese Gewissheit der Ewigkeit erfüllt uns. Darum macht der Verlust an Ewigkeit nicht wirklich weltzugewandt, sondern führt eher zu einem egozentrischen und darum so stressigen Kreisen um sich selbst; zu einem aufgeregten Suchen nach Selbstentfaltung und Selbstverwirklichung.

Nüchtern und fröhlich in die Welt einbringen

Wer dagegen Ewigkeit hat, der hat auch Zeit. Wer nicht alle Hoffnung in diese Welt setzen muss, wer nicht seine eigene ganze Lebenserfüllung aus dieser Welt herauspressen muss, der kann sich nüchtern und fröhlich in diese Welt einbringen, der kann mit beiden Beinen in der Welt stehen, diese Welt bebauen und bewahren.

Denn wer die existentiellen Fragen seines Lebens gelöst hat – nämlich die Frage nach dem Woher und Wohin – und darum ganz in diesem Gott geborgen ist, der Anfang und Ende und die Zukunft bestimmt, der hat Kraft und Zeit dazu, in dieser Welt zu wirken.

Ewigkeitshoffnung macht nicht weltflüchtig, sondern welttüchtig.

Einer meiner Freunde sagte mir vor einiger Zeit, dass er angesichts des rasanten Weges in den Untergang durch die herrschenden Ideologien in unserem Land ernsthaft ans Auswandern denke. Ich will darüber nicht urteilen.

Es kann ja sein, dass äußere Umstände auch zu einer neuen Platzanweisung führen. Jakob und das Volk Israel sind damals nach Ägypten gezogen, um dem Hunger zu entkommen. Sie waren Wirtschaftsflüchtlinge. Aber das war von Gott selbst mit langer Hand vorbereitet. Sie waren vom Wohlstandsland Ägypten zum wirtschaftlich begründeten Asyl eingeladen worden und sind gefolgt. Das kann es geben. Unser Gott kann auch schwere Krisen zu neuen Platzanweisungen nutzen.

Aber vom Grundsatz her habe ich den Eindruck: Menschen, die Ewigkeit haben, weil sie durch Jesus Christus in einer persönlichen Beziehung mit dem ewig reichen Gott stehen, die steigen nicht aus dieser gottlosen Welt aus. „Wer glaubt, der flieht nicht!“ – Kein Ausstieg, sondern Einstieg in die Gesellschaft ist angesagt.

„Suchet der Stadt Bestes“

Darum: Christen stehen mit beiden Beinen in der Welt. In diesem Sinne erinnere ich gerne an den Brief von Jeremia an die Zwangsinternierten nach Babel – wie sie uns in Jeremia 29,5-7 beschrieben ist:

„Baut Häuser und wohnt darin; pflanzt Gärten und esst ihre Früchte; 6 nehmt euch Frauen und zeugt Söhne und Töchter, nehmt für eure Söhne Frauen und gebt eure Töchter Männern, dass sie Söhne und Töchter gebären; mehrt euch dort, dass ihr nicht weniger werdet. Suchet der Stadt Bestes, dahin ich euch habe wegführen lassen, und betet für sie zum HERRN; denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s euch auch wohl.“

Fromm gemeinte Rückzugsgefechte hat Jeremia nicht empfohlen. Jeremia hat dem Volk so menschlich zugerufen: Baut Häuser, pflanzt Gärten, baut euer irdisches Leben so, als ob es noch lange dauert. Lebt normal.

Christen sind keine Phantasten, sondern sie stehen mit beiden Beinen fest in dieser Welt, wohl wissend, dass sie nicht das Letzte ist. Sie nehmen ihre Aufgaben und ihre Pflichten in dieser Welt ernst: in der Ehe und Familie – ich sage bewusst in meiner Lebenssituation, auch als Opa und Oma; aber auch im Beruf als Landwirt oder Handwerker, als Büromitarbeiter oder Verkäufer, als Industriearbeiter oder Arzt, als Steuerberater und als Unternehmer.

Darum – und in dieser Sicht der Dinge – konnte auch der Reformator Martin Luther sagen, das selbst der Dienst der Magd im Stall „Gottesdienst“ ist. Vielleicht ist das für uns noch immer gewöhnungsbedürftig, vor allem für Großstadtmenschen wie mich. Aber Luthers Sicht und Jeremias Sicht waren und sind: Der Gottesdienst beginnt nicht mit dem Lobpreis und er endet nicht mit dem Segen.

Für Gottesmenschen ist immer Gottesdienst, auch am Schreibtisch, auch hinter der Ladentheke, auch der Dienst der Mütter, auch die Arbeit am Fließband und der Dienst als Hochschullehrer.

Vom wahren Kern des Wortes „Sonntagsreden“

Sie kennen das: Wenn Menschen einem Politiker zuhören, dann sagen sie manchesmal, dass das doch nur Sonntagsreden seien. Und wenn man auch in diesem Jahr 1 nach der Bundestagswahl die Wahlversprechen von vor einem Jahr und der politischen Regelungswirklichkeit heute vergleicht, dann gewinnt das neuen Auftrieb.

Aber: „Sonntagsreden“? Wo wird denn sonntags geredet? Da denken also offenbar die Menschen über uns Prediger des Wortes Gottes, dass es ein gravierender Unterschied ist zwischen dem, was Christen am Sonntag im Gottesdienst predigen und hören und was sie am Werktag leben!

Ist das nicht ein hartes, aber oft berechtigtes Urteil der Beobachter?

Lasst uns das Sprichwort von den Sonntagsreden künftig Lügen strafen: Unser Gottesdienst geht nicht sonntags zu Ende, sondern geht montags weiter. Dann gehen wir Montagmorgens nicht mehr zur Arbeit mit dem Gedanken: „Wenn es nur jetzt Nacht wäre und morgen früh Freitagmittag“. Dann wird unser Gottesdienst am Sonntag bewährt durch den Gottesdienst in unserem Alltag.

Denn mit der Aufforderung Jeremias zum Bauen, Wohnen, Pflanzen, Essen, Heiraten, Kinder gebären ist das ganze Leben umspannt. Alle Lebensbezüge sind einbezogen. Aber diese Begriffe sind alle Aktiv-Begriffe, sie bezeichnen ein aktives gestalten.

So leben, dass wir zum Segen werden

Jeremias “Sucht der Stadt Bestes“ heißt: Lebt verantwortlich. Lebt so, dass es anderen dient. Lebt so, dass andere durch euch Wohltaten empfangen. Lebt so, dass es eurer Gesellschaft gut geht. Lebt so, dass Ihr anderen Menschen um euch her zum Segen werdet.

Und dann bedeutet verantwortlich leben in der Regel auch – so jedenfalls sieht es Jeremia: Heiratet und schenkt Kindern das Leben. Ich betone: In der Regel. Ich weiß, dass mit einer solchen Aufforderung viele aufseufzen und sagen: Würde ich ja auch gerne; hätte ich ja auch gerne. Menschlich gesprochen ist es für Viele auch zu spät. Also: Ich weiß, dass sich dahinter viele Fragen und Probleme und auch Nöte verbinden.

Wir haben viele Probleme in unserem Land und wir stürzen gerade von einer Krise in die nächste, ohne die jeweils vorhergehende zu beenden: Coronakrise, Klima, Energie, Inflation, Krieg  – aber wir sollten im Blick auf unser Land wirklich nicht vergessen, dass die meisten Völker dieser Erde liebend gerne – muss man sagen „noch“? – ihre Probleme gegen die unseren eintauschen würden.

Doch eines der Hauptprobleme liegt ziemlich unbeachtet am Rand – man könnte auch sagen, es ist einer der beiden Elefanten im Raum, den zu erwähnen nicht erlaubt ist, ein echtes Tabu – nämlich, dass wir gerade die ganz natürliche Verantwortung, für die Zukunft des Volkes zu sorgen, seit 55 Jahren vernachlässigt haben.

Die demographische Krise ist hausgemacht

Wir stehen von 228 Ländern auf dem 212. Platz was die Zahl der Kinder im Verhältnis zur Einwohnerzahl angeht. Die Geburtenrate aller Länder im globalen Vergleich  – Zusammengefasste Fruchtbarkeitsraten im weltweiten Länderüberblick (laenderdaten.de).

Das ist doch paradox. Im Wohlstand tummeln wir uns auf den ersten Plätzen, etwa auf Platz 5. Aber in dem Bereich, wo die menschliche Zukunft wirklich gestaltet wird, haben wir noch nicht mal die einfachste Regel verstanden. Gehört es nicht zum Kleinen Ein-mal-Eins des Denkens: Jeder von uns lebt doch nur, weil zwei Menschen ihm das Leben geschenkt haben und – gewollt oder von den Umständen her gedrängt – zu unserem Leben ja gesagt haben?

Ist es da nicht das Mindestmaß der Dankbarkeit, auch wieder dafür zu sorgen, dass mindestens zwei Menschen nach mir das Leben geschenkt wird? Wir haben versäumt, darüber zu reden, dass es geradezu die erste Wahrnehmung politischer Verantwortung ist, Kindern das Leben zu schenken, auch damit wir nicht weniger werden.

Und darum müssen wir uns als Christen daran erinnern lassen, was offenbar damals auch zu Jeremias Zeiten nicht mehr selbstverständlich schien. Der Zukunftspessimismus und das nur noch Sorgen um sich selbst hatte die Verantwortung für die Zukunft zurückgedrängt. Und deshalb schrieb Jeremia im Auftrag Gottes auch: „Sorgt dafür, dass ihr nicht weniger werdet!“

Dann davon hängt das Wohl eines Volkes auch ab, dass nicht plötzlich weniger da sind, die die Last eines Volkes tragen müssen. Ja, wir brauchen heute den Mut, zu erkennen, dass sich meine und die nachfolgende Generation durch manche Parolen haben verführen lassen. Unsere Generation hat sich auch berauschen lassen von Worten wie Geburtenplanung und Familienplanung und nicht gemerkt, dass das eigentlich eher Geburtenverhinderungsplanung heißen müsste.

Wir haben davon geredet und geglaubt, dass es nicht verantwortlich sei, in diese schwierige Welt hinein Kinder zu gebären. Wie gut, dass unsere Eltern nicht so gedacht haben.

Gottes erstes Wort: „Seid fruchtbar und mehret euch!“

Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass nach dem biblischem Bericht das erste, das allererste Wort Gottes zu den Menschen lautete: „Seid fruchtbar und mehret euch?“ Und genau das hat Jeremia den Entführten, den Versklavten, auch wieder gesagt! 

Damit wird doch klar: Gott will Leben, menschliches Leben. Und der Wert des menschlichen Lebens ist nicht von den Umständen abhängig, weder von den Fragen um Frieden und Freiheit noch von den Fragen um Arbeitsplatz und Wohlstand und Sicherheit und schon gleich gar nicht von den Fragen der persönlichen Begabung oder der persönlichen Zukunftschancen. 

Weil Gott selbst der HERR der Zukunft ist, deshalb ist die mutterlose, die vaterlose, die kinderlose Gesellschaft auch ein Zeichen mangelnden Vertrauens in die Souveränität Gottes und seiner Herrschaft, gestern, heute und in Ewigkeit.

Ich hatte kürzlich einen kleinen Mailaustausch mit der Ratsvorsitzenden der EKD bzw. ihrer Büroleiterin. Denn in einer Pressemitteilung der EKD wurde sie mit den Worten zitiert: „Der Klimawandel bleibt die größte Herausforderung der Menschheit. Das müssen wir uns auch und gerade in der Energiekrise immer wieder vor Augen führen.“

Und ich habe sie gefragt, nach welchen Kriterien sie diese „größte Herausforderung“ festgestellt habe. Denn laut WHO – und das ist der andere Elefant im Raum – fielen jährlich 73 Millionen ungeborener Kinder der Abtreibung zum Opfer, würden also mit Gewalt daran gehindert, das „Licht der Welt zu erblicken“. Natürlich hat sie mir nicht zugestimmt und gemeint, das seine eine andere Kategorie. Stimmt ja auch: eine ganz andere.

  1. Gebt der Demokratie, was der Demokratie zusteht

Ich erinnere daran: Obrigkeit ist immer von Gott: Ob eingesetzt, ob durch Gewalt an sich gerissen, Diktatur oder eben auch, wie in unseren Breitengraden, demokratisch erlangt, also nicht nur von oben, sondern von unten, von der Basis der Menschen her, legitimiert.

Wer ist die Obrigkeit heute?

Klar können wir schnell auf die Amtsinhaber in Bund, Ländern und Kommunen hinweisen. Aber das ist für unseren heutigen Verfassungsstaat zu kurz gegriffen.

Als Jesus danach gefragt wurde, ob es recht sei, an das kaiserliche Besatzungssystem Steuern zu bezahlen, hat er mit dem bekannten Satz geantwortet: „So gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!“ (Lukas 20,25).

Wir haben keinen Kaiser. Weder der Bundeskanzler noch der Bundespräsident haben kaiserliche Würden noch kaiserliches Amt. (Und wir haben auch keine Queen, obwohl die Begeisterung für sie und damit auch für ihr Amt, meist verborgen, aber jetzt doch aufflammte. So eine nicht von Wahlen abhängige, personifizierte Institut hat auch was!)

Wer ist heute „der Kaiser“?

An seine Stelle ist in unserer Zeit und in unseren Breitengrade die sogenannte Demokratie getreten, also die Volksherrschaft. Darum „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist“ heißt heute: „Gebt der Demokratie, was der Demokratie zusteht“. Im demokratischen Rechtsstaat heißt es: „Alle Staatsgewalt geht vom Volk aus“ (Artikel 20 Absatz 2 Grundgesetz).

Das Volk ist der Souverän. Das kommt natürlich am eindrücklichsten in den Wahlen zum Ausdruck. Das heißt: Macht, staatliche Gewalt, wird in den obersten Etagen, der Parlamente, der Regierungen und der Gerichte immer nur zeitlich befristet zugeteilt und kann bei unmittelbarer Demokratie sogar sehr begrenzt vergeben sein. Jederzeit kann man die Gewalt wieder an sich reißen. In einem demokratischen System mit erleichterten Volksabstimmungen, wie es vor allem von der benachbarten Schweiz bekannt ist, geht das natürlich in den Einzelfragen noch einfacher als bei uns.

Und was steht der Demokratie zu? Natürlich auch die Steuer und der Zoll, der Gehorsam gegenüber den beschlossenen Gesetzen. Aber noch viel mehr: Die Beteiligung, die Mitgestaltung. Zu der gehören natürlich die Wahlbeteiligung, aber eben noch viel mehr, die aktive Mitwirkung.

Wir sind aufgerufen, die staatliche Ordnung selbst mitzugestalten. Darum ist auch klar: Wer Verantwortung im Staat übernimmt, handelt sehr verantwortlich im Sinne des Schöpfungsauftrags.

Das galt schon im Alten Testaments. Esther, Nehemia, Daniel und seine Freunde haben selbst im heidnischen, abgöttischen Staat staatliche Verantwortung übernommen. Wie viel mehr gilt das für uns heute. Für die Genannten im Alten Testament war damit auch schon klar, dass man dann als Verantwortungsträger auch systematischer Teil eines Unrechtsregimes wird.

Ist Politik ein „schmutziges Geschäft“?

Darum ist die von Ablehnung gegenüber staatlichen Amtsträgern triefende Feststellung, dass Politik ein schmutziges Geschäft sei, nicht angemessen. Spätestens in der Corona-Zeit haben wir gelernt (ich nehme an, die meisten schon vorher!): Alles Geschäft, sogar die Betreibung von Krankenhäusern und Teststationen, die Herstellung von Impfstoffen und die Vertreibung von Masken für den angeblichen Gesundheitsschutz kann schmutziges Geschäft sein, selbst Dienste in Kirche und Diakonie.

Im Prinzip ist die Politik, die Gestaltung des Gemeinwesens, nicht weniger und nicht mehr schmutziges Geschäft. Es kommt am Ende immer darauf an, wie diejenigen, die ein Amt haben, das Amt ausführen, immer und überall!

Lassen wir überall den Willen des HERRN gelten! Das ist stets möglich und letztlich überall die gleiche Herausforderung.

Von Johannes Busch, dem Leiter des Westfälischen Jungmännerwerks in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts, sind im Buch „Stille Gespräche“ Vorträge an Mitarbeiter abgedruckt. Darin gibt es jenes bemerkenswerte Kapitel über die „Treue im Kleinen“ – abgekürzt „TiK“. Super wertvoll!

Die kleinen alltäglichen Aufgaben erledigen. Aber vielleicht gilt für Viele von uns auch der „TiG“, die „Treue im Großen“. In Lukas 12,48 steht das Wort von Jesus: „Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern.“

Ist uns mit unserer Gesellschaft, mit unserer Freiheit, mit der längsten Friedenszeit in Deutschland seit Menschengedenken, mit dem unbändigen Wohlstand und den phantastischen technischen Errungenschaften, nicht doch viel mehr gegeben, als wir uns bewusst sind?

Und bedeutet das dann ein viel größeres Maß an Verantwortung für uns? Auch für uns als deutsche Gesellschaft, als deutscher Staat?

Ich bin mir noch sehr unsicher, wie die Krisen im Herbst 2022 geistlich einzuordnen sind. Bei der Corona-Krise gab es ja selbst kirchenleitende Leute, die ihre Sicherheit in die Öffentlichkeit gaben, dass eine solche Pandemie kein Gericht Gottes sei. Das halte ich für sehr selbstsicher und arrogant.

Können die Krisen unserer Zeit nicht tatsächlich unsere Gesellschaft auch an die Wand fahren, kaputt machen, und könnte es eben doch das Menetekel an der Wand sein für uns Deutsche nach so viel erfahrener Güte und Gnade „gewogen, gewogen und zu leicht befunden“  – und könnte jetzt das Gericht Gottes über dieses undankbare und ungehorsame Volk hereinbrechen? Bräuchten wir darum jetzt eher Bußprediger wie Jona?

  1. Unser Privilegien: Gute Taten und das Gebet

Ich möchte abschließend noch unsere Privilegien betonen. Wir können uns als Christen in dieser Gesellschaft einordnen, ganz im Sinne von positiv einbringen. Weil wir bereits Bürger der Ewigkeit sind, müssen wir nicht mehr alles aus dieser Welt herauspressen und können uns deshalb viel mehr als vielleicht Andere in diese Gesellschaft selbstlos einbringen.

Aber darum frage ich auch: Könnte es sein, dass wir von der Anklagebank, was so alles schlecht läuft in unserer Gesellschaft, runter müssen und einige von uns zur Mitarbeit entsenden sollten? Und dass wir selbst auch täglich darüber nachzudenken haben, was das für uns heute bedeutet, der Stadt Bestes zu suchen?

Ich nenne abschließend 5 F’s –  wie die fünf Finger an einer Hand:

  1. Feigheit überwinden – den Mund auftun
  • im persönlichen Umkreis
  • bei Veranstaltungen
  • im Unterricht in der Schule/an der Universität/im Betrieb
  • im Gespräch mit politisch Verantwortlichen
  1. Faulheit besiegen – zum Schreibzeug greifen
  • Leserbriefe an Zeitungen und Zeitschriften schreiben.
  • an Rundfunkanstalten und Fernsehen schreiben. Man muss die Medien nicht „genießen“. Wer sich aber dazu Zeit nimmt, sollte sich auch Zeit nehmen, um anschließend noch 5 Minuten für eine Postkarte mit Lob oder Tadel schreiben – preisgünstiger ist natürlich ein E-Mail. Wenn das von jetzt ab alle Christen tun würden, hätte das eine große Wirkung (vgl. 3 bis 5%-Regel von Noelle-Neumann, Allensbacher Institut).
  • den Politikern schreiben, denjenigen, die wir gewählt haben oder eigentlich wählen wollen. Wer sich meldet, beeinflusst und wer schweigt, hat keinen.
  1. Freizeit einsetzen – mit Vernunft engagieren
  • Bereitschaft zur Übernahme öffentlicher Verantwortung
    im Haus, Schule, Betrieb, Bezirksbeirat, Stadtrat, Schöffe…….
  • In Parteien mitarbeiten und dort biblisch-ethische Wertmaßstäbe bewusst einbringen
  • In Kirchen, Gemeinden und Gruppen sich für öffentliche Verantwortung einsetzen
  • Wählen – und wenn es nur die „relativ beste der Wahlmöglichkeiten“ wäre (nicht „das geringste Übel“ – Politiker sind kein „Übel“)
  1. Freiheit leben – mit guten Taten vorangehen

Christliche Freiheit ist nicht die Freiheit zur Beliebigkeit, so als ob es nicht darauf ankäme, was wir tun und nicht tun. Jesus hat uns Freiheit vorgelebt. Es war die Freiheit zum Dienst, die Freiheit zum Leiden, zur Selbstaufgabe, zum Opfer. »…als die Freien, und nicht als hättet ihr die Freiheit zum Deckmantel der Bosheit, sondern als die Knechte Gottes« (1. Petrus 2,16).

Darum bedeutet, als Christ in der Freiheit im demokratischen Rechtsstaat zu leben:

  • positives Verhältnis zur „Obrigkeit“
  • „Untertan“, gehorsam der menschlichen Ordnung
    Das Geschenk des demokratischen Rechtsstaates ist auch das Prinzip der Gewaltenteilung. Gerade gegenüber den Kaisern und allen Diktaturen alter und neuer Zeit kommt damit zur zeitlichen Beschränkung der Macht in unserer Zeit auch eine sachliche Begrenzung und gegenseitige Kontrolle. Wir wählen die Parlamentarier, die sogenannte Legislative, die für die Gesetzgebung zuständig sind. Sie wählen und kontrollieren auch die Regierenden, die sogenannte Exekutive. Und die Richter, die sogenannte Judikative oder einfacher Justiz, steht darüber hinaus zur Kontrolle der Regierung bereit, ob sie sich an die Gesetze hält und zur Kontrolle der Gesetzgebung, ob sie sich an die Verfassung, an das Grundgesetz, hält. Alle drei Gewalten sind die Obrigkeit.
    Es wird ja immer wieder diskutiert, ob Christen auch Gerichte anrufen dürfen. Die Frage ist berechtigt, wenn es um private Streitigkeiten geht, vor allem unter Christen. Paulus hat dazu vieles hilfreiche im 6. Kapitel des 1. Korintherbriefes gesagt. Aber das bezieht sich eben nicht auf das Strafrecht (auch Christen dürfen Rechtsverstöße anzeigen) und schon gar nicht auf das Steuer-, Verwaltungs- und Verfassungsrecht. Hier kann es geradezu geboten sein, den Rechtsweg einzuschlagen, auc, damit möglicherweise nicht nur ich selbst Recht bekomme, sondern im Gefolge auch Anderen Recht und Gerechtigkeit geschehen. Wer klagt, widersetzt sich nicht der Obrigkeit! Er wendet sich an die Obrigkeit!
  • Ehrlichkeit leben – Steuer, Zoll, Verkehrsvorschriften, Zahlungsmoral
  • „Mit guten Taten Unwissenden das Maul stopfen“.

 

Unsere Aufgabe: gute Taten –  auch denen gegenüber, die uns schlecht gesinnt sind.

Hoch interessant. Wenn wir jemand das Maul stopfen wollen, dann denken wir an eine scharfe Diskussionsrunde, an bessere Argumente. Dann wollen wir den Anderen „fertig machen.“ Petrus schreibt hier: „Ihr sollt mit euren guten Taten das Maul stopfen“. Anderen soll die Kritik im Hals stecken bleiben, weil sie sehen, in welch ganzheitlicher Weise ihr nicht nur redet, sondern überzeugend handelt, Zeugnis in Wort und Tat.

  1. Fürbitte pflegen – die Politiker vor Gott tragen
  • Der nur von Christen mögliche politische Dienst ist die Fürbitte für die Verantwortlichen. (1. Timotheus 2, 1.2 – 1: So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, für die Könige und für alle Obrigkeit)
  • Fürbitte auch für die „Mächtigen“, die kein politisches Mandat haben, z.B. Wirtschaftsführer, Medienmacher
  • Informieren, um konkret beten zu können

.

„Untertan aller menschlichen Ordnung um des HERRN willen“. Dazu segne Sie der HERR!

Es handelt sich bei diesem Beitrag um eine erweiterte Fassung des von Hartmut Steeb bei der Tagung der Bekenntnisbewegung "Kein anderes Evangelium" am 8. Oktober 2022 in Dettingen (Baden-Württemberg) gehaltenen Vortrags "Untertan aller menschlichen Ordnung um des Herrn willen".

Unser Gastautor Hartmut Steeb war jahrzehntelang Generalsekretär des Dachverbandes "Evangelische Allianz in Deutschland"  und er ist Leiter des ökumenischen TCLG (Treffen christlicher Lebensrechtsgruppen)

 

Kommentare

3 Antworten

  1. Wer ist Christ, wer ist gerettet (kommt in den Himmel) – allein dazu gibt es vielfältige Antworten derer, die sich als Christen bezeichnen. Und zur Theologie der Politik gibt es auch viele Verschiedenheiten – einige Aussagen dazu aus meiner Konfession: Absolute Religionsfreiheit, völlige Trennung von Kirche und Staat, der christliche Staat als Alptraum, als Ideee, die hoffentlich für immer zerplatzt ist, Demokratie in Kirche und Staat als oberstes Ziel, dem Staat verweigern, Werte durchzusetzen, auch Werte, die man innergemeindlich strikt durchsetzt (wer sie – nach langer Diskussion mit ihm nicht teilt, muß die Gemeinde verlassen). Kurz gesagt: Der Staat hat „nur“ Freiheit durchzusetzen. Über den Gründer des Weltverbandes Konservativer Protestanten (aus einer ähnlichen Konfession) schreibt ein Hartmut Steeb verbundener deutscher Theologe: Demokratie, Freiheit und Kapitalismus waren ihm Gebote Gottes. Übrigens lobte er in seiner Predigt Tage vor der Reichskristallnacht (furchtbare Gewalt- und Mordorgie gegen Juden unter Hitler) in seiner Predigt gegen den Antisemtismus „Warum Christen freundlich zu Juden sein sollen“ Juden, daß sie der Welt das Evangelium und den Kapitalismus gebracht hätten.

  2. Ein ungewöhnlich langer Text.
    Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst.
    Tut Gutes denen, die Euch Böses wollen.
    Liebe ist das Zauberwort einzig.
    Ausnahmslos und bedingungslos Gott zu gehorchen, das schafft kein menschliches Wesen.
    Rein muß man sein dafür.
    Dies zu erreichen, bedarf es GOTT PERSÖNLICH.
    Gottesfurcht ist angebracht.
    Aber keine Angst vor dem, was kommt.
    Gottvater führt gerecht und in Liebe zu seinem Volk.
    Seine Allmacht kennt keine Grenzen.
    Er sah nicht nur in die Herzen.
    Er sieht ALLESAMT WELTWEIT.
    Leider sind wir im Mittelalter stagniert.
    Pfarrer müßten RAUS VOR ORT, DEN ARMEN MIT IHRER HÄNDE ARBEIT HELFEN ZUM BEISPIEL.
    S O DIENT MAN UNSEREM SCHÖPFER,
    UND NICHT NUR BETEN UND WARTEN, DAß MANN VOM HIMMEL FÄLLT IN DEUTSCHEN LANDEN.
    WO IST DAS KIRCHENLIED GEBLIEBEN: GROßER GOTT WIR LOBEN DICH, HERR WIR PREISEN D E I N E STÄRKE!!!
    STATTDESSEN NEUMODERNES , EINEM TAGEBUCH EINES JEDEN MENSCHEN GLEICH, UM GOTT SEIN HERZ AUSZUSCHÜTTEN.
    UNABDINGBAR IST VERTRAUN IN GOTT.
    DENN ER IST NICHT NUR GEIST.
    ER IST MENSCH.
    GOTTMENSCH.
    WIE SONST KÖNNTE ER SEELEN IN J E D E S MENSCHENLEBEN GEBEN!!!!!

  3. Genau so ist es. Und nicht anders.
    Heutzutage hat der ‚Lügner‘, der Teufel, mit sein Lügen die Hoheit über die Menschen gewonnen, so dass sie die Wahrheit nicht mehr sehen können.
    Wir müssen ihnen die Wahrheiten der Bibel wieder deutlich machen.
    Zu ihrem eigenen Wohl.

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